Das Angebot der zahlreichen Streaming-Dienste klingt wie der Traum eines jeden Fernseh-Liebhabers: Hier können sich Nutzer zu einem selbstgewählten Zeitpunkt beliebte Klassiker und neu produzierte Filme und Serien anschauen – und das ganz ohne Werbung.

Alles, was du brauchst, ist ein Account und ein Internetzugang. Noch nie hattest du so viel Auswahl und so viel Flexibilität beim Fernseh-Konsum wie heute. Doch wie wirken sich Netflix und Co. auf das lineare Fernsehen aus? Werden Streaming-Dienste dies bald verdrängen?

So schaut die Netflix-Generation fern

Netflix verdanken wir Serien-Sternstunden mit Piper im Frauenknast bei „Orange ist he New Black“ und ganz viel Gruselstimmung bei „Stranger Things“. Bei Amazon Prime Instant Video unterhält uns Matthias Schweighöfer mit „You are Wanted“ und Rachel Brosnahan mit „The Marvelous Mrs. Maisel“.

Allein die Original-Produktionen der Streaming-Dienste könntest du tage- und wochenlang ununterbrochen anschauen („Bingewatching“, wie die Generation Netflix sagt). Dazu kommen die unzähligen Filme und Serien externer Produzenten, von „Grey’s Anatomy“ über „Game of Thrones“ bis zu „The Big Bang Theory“, die du ebenfalls On Demand bei Netflix, Maxdome und Co. abrufen kannst.

Fernseher und Fernbedienung

Streaming-Dienste machen den TV-Anstalten die Seher streitig und punkten trotz Bezahlmodellen mit einer riesigen Auswahl und On-Demand. (Foto: afra32 / pixabay.com)

Damit locken die einzelnen Anbieter ein Millionen-Publikum an, wie die Beratungs- und Forschungsgruppe Goldmedia in ihrer Studie „Pay-Video-on-Demand in Germany – Forecast 2018-2023“ im Juni 2018 ermittelte.

Demnach bezahlen aktuell 18 Prozent aller deutschen Haushalte für mindestens einen Streaming-Dienst. Marktführer ist der Video-on-Demand-Dienst (VoD) von Amazon, den 47 Prozent der deutschen Streaming-Nutzer verwenden.

Auf Platz zwei landet Netflix mit 20 Prozent Marktanteil in Deutschland. Die über 30 Streaming-Anbieter, die in Deutschland verfügbar sind, machen hierzulande aktuell einen Umsatz von 1,1 Milliarden Euro. Bereits für das Jahr 2019 prognostiziert Goldmedia, dass jeder zweite deutsche Haushalt mit Breitbandanschluss ein Abonnement für einen Video-on-Demand-Dienst abgeschlossen haben wird.

Gibt es Unterschiede in den einzelnen Altersgruppen?

Während junge Menschen verstärkt Netflix und Co. anschalten, bevorzugen ältere Menschen weiterhin das lineare Fernsehen. In einer Studie ermittelte der Digitalverband Bitkom im Jahr 2018, dass 46 Prozent der 14- bis 29-Jährigen VoD-Portale nutzen.

Bei den 30- bis 49-Jährigen und den 50- bis 64-Jährigen sind es jeweils rund ein Drittel. Nur 20 Prozent der Menschen, die älter als 64 Jahre sind, streamen Video-Inhalte. Über die letzten Jahre stieg die Akzeptanz von Streaming-Diensten allerdings kontinuierlich in allen Altersgruppen.

Der Fernsehkonsum in Deutschland

Obwohl die Zahlen der Streaming-Dienste beeindruckend sind, reichen sie bisher noch lange nicht an die der traditionellen Fernsehsender heran. Laut des „Media Activity Guide 2018“ von SevenOne Media, dem Vermarkter der ProSiebenSat.1 Group, schauen 93 Prozent der Deutschen zumindest selten lineares Fernsehen. Im Schnitt verbringt jeder pro Tag 248 Minuten (reichlich vier Stunden) vor dem Fernseher.

Damit ist das lineare Fernsehen immer noch das am meisten und am längsten genutzte Medium in Deutschland.

Neben der Akzeptanz spielt dabei das Programm eine wichtige Rolle: Nachrichten und andere journalistische Formate gehören nicht zum Markenkern der Streaming-Dienste, stellen für das lineare Fernsehen jedoch einen wichtigen Programmpunkt dar. Allein die Hauptausgabe der Tagesschau um 20 Uhr erreichte 2016 durchschnittlich 9,81 Millionen Zuschauer pro Tag.

Auch fiktionale Formate schaffen ähnliche Erfolge: Zwischen Januar 2016 und Januar 2018 schauten sich im Durchschnitt 13,4 Millionen Deutsche jeden Sonntag den „Tatort“ an. Die Quoten ihrer Eigenproduktionen halten die Streaming-Anbieter unter Verschluss, weshalb ein direkter Vergleich nicht möglich ist.

Wie Streaming-Dienste das Fernsehen verändern

Auch wenn VoD-Angebote das Fernsehen bisher nicht verdrängen, beeinflussen sie es dennoch. TV-Sender wie das ZDF haben ihre Mediatheken ausgebaut und nutzerfreundlicher gestaltet.

Zudem entstehen immer mehr Video-Angebote, die im Internet veröffentlicht werden. 26 Prozent der Deutschen ab 14 Jahren schauen sich mindestens einmal pro Woche Fernsehsendungen über das Internet an. Bei den 14- bis 29-Jährigen sind es sogar 39 Prozent, wie die Onlinestudie von ARD und ZDF 2018 ergab.

Letztendlich wird also auch das Angebot der Fernsehsender flexibler, da viele Programme über das Internet sowohl live als auch zeitversetzt empfangen werden können.

Bildquelle: unsplash.com / freestocks.org

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